Urolithin A ist kein Supplement, das man direkt aus der Nahrung bekommt – es ist ein Stoffwechselprodukt, das die Darmflora aus Ellagitanninen herstellt, die etwa in Granatäpfeln und Walnüssen vorkommen. Das Problem: Die meisten Menschen produzieren davon zu wenig, um einen relevanten Effekt zu erzielen. Deshalb wird Urolithin A zunehmend direkt als Supplement angeboten, meist in einer Dosierung von 500 mg pro Tag.
Der Mechanismus: Mitophagie
Urolithin A aktiviert Mitophagie – den zellulären Prozess, der beschädigte Mitochondrien abbaut und durch neue ersetzt. Mitochondrien sind die Energiekraftwerke der Zelle, und ihre Qualität und Dichte bestimmen massgeblich die Ausdauerleistungsfähigkeit. Genau das macht die Substanz für Ausdauersportler interessant: Der Zielmechanismus ist im Kern das, worauf auch klassisches Ausdauertraining abzielt.
Für Radsportler relevant: Klinische Studien an älteren Erwachsenen zeigten verbesserte Muskelkraft und Ausdauer unter Urolithin A gegenüber Placebo, zusätzlich positive Effekte auf mitochondriale Biomarker bei gesunden Erwachsenen mittleren Alters. Humandaten speziell an jungen, bereits trainierten Athleten sind allerdings noch dünn – die bisherige Evidenz stammt vor allem aus älteren oder untrainierten Kohorten.
Was noch offen ist
Eine laufende Studie des Herstellers Amazentis (ClinicalTrials.gov NCT07060898) untersucht aktuell kognitive Effekte von Urolithin A – die Ergebnisse stehen noch aus. Für die Frage, ob sich Mitophagie-Aktivierung durch Supplementierung tatsächlich in messbar bessere Rennleistung übersetzt, fehlt bislang eine direkte Studie an konkurrenzfähigen Ausdauersportlern. Das unterscheidet Urolithin A von etablierten Ergogenika wie Kreatin oder Koffein, wo die Leistungswirkung direkt in sportlichen Settings belegt ist.
Unsere Einordnung
Mechanistisch eine der spannendsten Substanzen für Ausdauersportler aus unserem Dossier, mit einer soliden – wenn auch noch nicht sportartspezifischen – Humanevidenz-Basis. Wir würden sie in die Kategorie „wachsende Evidenz mit klarem Potenzial“ einordnen, nicht in die Kategorie „belegte Leistungssteigerung“. Wer es ausprobiert, sollte das eher als längerfristiges mitochondriales Gesundheits-Investment verstehen als als Pre-Race-Booster.
Quellen
- Randomisierte, placebokontrollierte Studien zu Muskelkraft und Ausdauer unter Urolithin-A-Supplementierung bei älteren Erwachsenen.
- Amazentis SA. „Impact of a Novel Brain Longevity Supplement Containing Urolithin A (Mitopure) on Cognitive Function.“ ClinicalTrials.gov, NCT07060898.
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle medizinische oder sportwissenschaftliche Beratung.